Zwischen Recht und Rache: 9. Klassen erleben „Michael Kohlhaas“ hautnah

Text von Jessica Cramer
Bild von Stephanie Irmen

Was tun, wenn einem Unrecht geschieht und niemand zuhört? Wie weit darf man gehen, um sein Recht einzufordern? Mit diesen unbequemen Fragen im Gepäck besuchten die Deutsch E2-Kurse der 9. Klasse im Rahmen der Theatertage Rheinland-Pfalz das Theater Koblenz.

Auf der Probebühne 4 gastierte das Pfalztheater Kaiserslautern mit einer außergewöhnlichen Produktion. Eigentlich als mobiles Klassenzimmer-Theater konzipiert, entfaltete das Stück vor insgesamt 60 Zuschauenden eine ganz eigene, dichte Intensität.

In dem packenden Ein-Mann-Stück schlüpfte der Schauspieler Stefan Migge in die Rolle des Pferdehändlers Michael Kohlhaas. Allein durch seine schauspielerische Präsenz wurde Heinrich von Kleists Novelle über den Kampf gegen eine korrupte Obrigkeit lebendig. Die Schüler:innen konnten mitverfolgen, wie Kohlhaas’ Streben nach Gerechtigkeit in einen unaufhaltsamen Rachefeldzug umschlug, der am Ende seine eigene Menschlichkeit und Moral zerstörte.

In einem anschließenden Gespräch mit dem Schauspieler Stefan Migge und dem Dramaturgen des Jungen Pfalztheaters, Philipp Matthias Müller, bot sich die Gelegenheit, tiefer in die Novelle einzutauchen.

Dabei wurde schnell klar: Die Figur des Kohlhaas bietet auch heute noch Zündstoff für Diskussionen über Rechtsstaatlichkeit und die eigene Moral. Im Austausch wurden aktuelle Parallelen gezogen:

  • Hat nicht jede:r das Recht, sich für „das Gute“ einzusetzen?
  • Muss man bei einer ungerechtfertigten Note nicht Widerspruch einlegen dürfen?
  • Und wie weit würde jede:r Einzelne gehen, um gehört zu werden?

Der Theaterbesuch hat eindrucksvoll gezeigt: Einfache Antworten auf komplizierte Fragen gibt es nicht, aber es lohnt sich, sie immer wieder neu zu stellen.