„Die haben sich ja gar nicht gestritten!“
von Harald Lutz
So lautete die erste Reaktion einer Schülerin zum Thema „Krisen, Konflikte, Kriege“, einer Gesprächsrunde zur aktuellen politischen Situation, die am Mittwoch vor den Ferien nachmittags auf Einladung der IGS in unserer Aula stattfand. Die Sozialkunde-Leistungskurse des Rhein-Wied- und Werner-Heisenberg-Gymnasiums und der IGS Johanna Loewenherz verfolgten die Diskussion gemeinsam mit interessierten Zehntklässlerinnen und Zehntklässlern und konnten zusätzlich ihre Fragen auch direkt aus dem Publikum stellen.
Die beiden Gesprächsteilnehmer vertraten dabei unterschiedliche Standpunkte zum Umgang mit – und der Lösung von kriegerischen Auseinandersetzungen, die momentan die Weltpolitik bestimmen. Dass deren Auswirkungen auch die Jugendlichen in Deutschland betreffen, wurde von Florian Roth, Offizier zur See, und Prof. Dr. Josef Freise, Friedenspädagoge und Theologe, im Rahmen ihres Gespräches wiederholt betont.
Herr Freise argumentierte dabei aus der Position des ‚pragmatischen Pazifisten‘, der zwar die Berechtigung der Bundeswehr als Verteidigungsarmee nicht infrage stellt, aber dennoch mit seiner zentralen These glaubt, dass nur gewaltfreier Widerstand ‚von unten‘ nachhaltige Friedensprozesse einzuleiten vermag und er verwies auf Friedensinitiativen, die sich diesem Ziel verschrieben haben. (Der ‚Eirene-Friedensdienst‘ aus Neuwied begleitete den Nachmittag mit einem kleinen Stand im Zuschauerraum.)
Florian Roth von der Bundeswehr konnte während des Gesprächs seinem Gegenüber in einigen Punkten zustimmen, verteidigte den Einsatz des Militärs zur Friedenssicherung aber, indem er verdeutlichte, dass nur eine funktionsfähige und abschreckende NATO und deren Verbündete in der Lage seien, eine Bedrohungslage an der Ostgrenze wirkungsvoll zu verhindern. Ob dazu der wiedereingeführte freiwillige Wehrdienst nützlich sei, ließ er offen.
Jana Fertich, David Ihme und Dominik Wobbe aus der Oberstufe der IGS moderierten die Veranstaltung und stellten den Experten viele Fragen, die im Vorfeld in allen drei MSS-Oberstufen Neuwieds gesammelt wurden.
Die erwartet heftige Auseinandersetzung zu den strittigen Themen blieb aus. Herr Roth zeigte stellenweise Verständnis für die Sichtweise seines Gesprächspartners und nur selten kam es zu unüberbrückbaren Auffassungen. Freises Appell hallte am Ende noch nach: „Hört bei der Entscheidung über eure freiwillige Teilnahme am neuen Wehrdienst auf euer Bauchgefühl!“
Vielleicht kann ein zusätzliches Ergebnis der Runde sein, dass sich die anstehenden Probleme nur lösen lassen, wenn gegensätzliche Richtungen aufeinander zugehen und die jeweils anderen Meinungen respektiert werden.





