Exkursion in die Industriekultur: WPF-Kurs NuÖ besichtigt die Grube Velsen und die Völklinger Hütte
von Martin Pulch
Der Steinkohlebergbau im Ruhr- und Saargebiet hat maßgeblich zum (Wieder-) Aufbau unseres Landes beigetragen. Die Schwerindustrie war damals der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Vor 65 Jahren gab es noch 160 aktive Kohlezechen an Ruhr und Saar, in denen mehr als einer halben Millionen Bergleute arbeiteten. Viele Gastarbeiter kamen damals nach Deutschland, deren Familien und Nachkommen heute bei uns wohnen. 1951 wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, oft auch Montanuniongenannt, gegründet, ein europäischer Wirtschaftsverband und der Vorläufer der heutigen Europäischen Union.
Der Abbau der Steinkohle in Deutschland ist sehr teuer, da die Kohleflöze tief unter der Erde liegen. Seit den 1960er Jahren kostet der Abbau einer Tonne deutscher Steinkohle mehr, als sie auf dem Weltmarkt einbringt. Trotz Subventionierung wurde die Steinkohleförderung im Saarland 2012 eingestellt, 2018 kam dann das Aus für den gesamten deutschen Steinkohlenbergbau auch im Ruhrgebiet.
Am vergangenen Wahlpflichtfachtag besuchten die Schülerinnen und Schüler das ehemalige Bergwerk Velsen im Saarland nahe der französischen Grenze. Es wurde als Lehrstollen für die Ausbildung von Bergleuten ausgebaut und ist voll funktionstüchtig eingerichtet. Ausgestattet mit Jacke und Helm fuhren wir mit der Grubenbahn ein. Die Gruppe erhielt im letzten verbliebenen (aber stillgelegten) Steinkohlebergwerk des Saarlandes einen einzigartigen und spannenden Einblick in den Steinkohlebergbau. Die Maschinen durften von den Schülern selbst ausprobiert werden. Besonders beeindruckend waren die Presslufthämmer und Bohrmaschinen. Die Arbeit unter Tage in über 1000m Tiefe war hart; es war laut, staubig, recht dunkel und bis 35°C heiß. Schwer nachvollziehbar, dass die Bergleute mit diesen schweren und dröhnenden Geräten eine ganze Schicht 8 Stunden am Tag in drei Schichten malocht hatten. Nach unserer „Schicht“ durften wir ausnahmsweise mit dem Förderband zum Ende des Stollens fahren, so wie es früher verbotenerweise auch manche Kumpel machten.
Im Anschluss an dieses Erlebnis fuhren wir zum zweiten Ziel des WPF-Tages, der Völklinger Hütte. Die Völklinger Hütte ist ein ehemaliges Eisenwerk und wurde 1986 stillgelegt. 1994 ernannte die UNESCO die Völklinger Hütte als erstes Industriedenkmal auf der Welt zum Weltkulturerbe. Durch die dunklen Gänge der Möllerhalle führte der Weg hoch hinauf auf die Aussichtsplattform am Hochofen. Der Aufstieg über die Gichtbühne zum Dach der Winderhitzer in 60 Metern Höhe über offene Gitterroststufen war nur was für Schwindelfreie. Von hier oben hatten wir einen tollen Ausblick auf das 260 Hektar große Gelände der Saarstahl AG, von dem die Weltkulturerbefläche „nur“ 10 Hektar einnimmt. Um 21:40 Uhr trafen wir mit vielen neuen Eindrücken wieder in Neuwied ein.










