Mitmenschlichkeit bis zum letzten Atemzug – Projekttag „Letzte-Hilfe“-Kurs für den Jahrgang 9
von Kathrin Kesseler
Der Tod gehört zum Leben – theoretisch ist uns das allen bewusst. Doch wie geht man konkret damit um, wenn ein nahestehender Mensch stirbt? Wie verläuft Trauer, und was bleibt am Ende eines Lebens? Mit diesen Fragen setzten sich die Schülerinnen und Schüler des katholischen Religionskurses der Klassen 9a und 9b in einem besonderen Projekt auseinander. Frau Dreier und Frau Knopp vom Ambulanten Hospiz Neuwied gestalteten dazu einen sogenannten „Letzte-Hilfe“-Kurs.
Ziel des Kurses war es, Jugendlichen grundlegende Orientierung im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen zu geben. Dabei wurde deutlich: Sterbebegleitung erfordert kein Fachwissen, sondern vor allem Nähe, Mitgefühl und die Bereitschaft, füreinander da zu sein.
Im Verlauf des ersten Projekttages wurde zunächst erfahrbar gemacht, dass Sterben ein natürlicher Teil des Lebens ist und jeden betreffen kann. Ein eindrucksvolles Spiel verdeutlichte dies, als einzelne Teilnehmende plötzlich und kommentarlos den Raum verlassen mussten. „Man wollte noch etwas zu Ende erzählen und musste plötzlich gehen“, berichtete eine Schülerin.
Dass nahezu alle letzten Wünsche erlaubt sind, erfuhren die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler am zweiten Projekttag. Dazu sammelten sie konkrete Ideen, die sich sterbende Menschen zum Schluss wünschen könnten und fanden viele Möglichkeiten, als Angehörige zu unterstützen. Auch hier wurde deutlich: Schon Kleinigkeiten, wie das Vorlesen eines schönen Textes, können viel bewirken. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Linderung von Leiden. Schon kleine Gesten können hilfreich sein – etwa das Befeuchten der Lippen mit in Flüssigkeit getränkten Schwämmchen, angepasst an die Wünsche der Sterbenden. Dabei ist alles erlaubt: Kaffee, Bier oder Cola. Die Schülerinnen und Schüler konnten dies selbst mit Apfelsaft ausprobieren. Zum Abschluss ging es um Abschied und Trauer. In einem einfachen Ritual bemalten die Jugendlichen Steine als Symbol für Erinnerung oder gute Wünsche. Viele arbeiteten dabei sehr konzentriert und nachdenklich. Einige nahmen sich vor, den Stein ans Grab eines lieben Verstorbenen zu legen.
Der Projekttag eröffnete einen sensiblen und zugleich praktischen Zugang zu einem oft tabuisierten Thema. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich interessiert und dankbar. „Wenn ich jetzt an das Thema Tod oder Hospiz denke, breitet sich jetzt nicht mehr so eine Unsicherheit aus“, sagte Lotta aus der 9b. Der „Letzte-Hilfe“-Kurs machte deutlich, wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig zu Mitmenschlichkeit zu ermutigen – gerade dort, wo sie besonders gebraucht wird.








